Antonius der Große (Antonius Magnus, Antonius der Einsiedler, Antonius Abbas)

Namenstage: Antonius, Anton, Toni

Funktion: Heiliger, Eremit, Vater des christlichen Mönchtums, einer der vier Heiligen Marschälle

Gedenktag: 17. Januar

Patronat: der Armen, Kranken, Ritter, Bauern, Schweinehirten, Zuckerbäcker, Metzger, Glöckner, Totengräber, Pächter, Weber, Bürstenbinder, Korbflechter, Handschuhmacher, Haustiere (besonders der Schweine); gegen Feuersnot, Viehseuchen, Pest und andere ansteckende Krankheiten
wird in vielen Anliegen als Nothelfer angerufen

Antonius, geboren um 251 in Kome (heute Keman) in Mittelägypten als Sohn eines wohlhabenden christlichen Großbauern, verschenkte nach dem Tod der Eltern – in radikaler Befolgung der Worte Christi: »Wenn du vollkommen sein willst, verkaufe alles, was du hast und gib es den Armen« (Matthäusevangelium 19, 21) – seinen gesamten Besitz und begann mit etwa 20 Jahren das Leben eines Einsiedlers. In strenger Askese lebte er zunächst in der umliegenden Wüste, dann in einer Felsengrabkammer am Rand der Libyschen Wüste in Oberägypten, wo er die heiligen Schriften studierte und allen Versuchungen widerstand. Sein Ruhm verbreitete sich schnell, und es kamen viele Besucher, die von ihm Rat oder Heilung durch sein Gebet erhofften, aber auch viele, die seinem Beispiel folgten. Mit einigen »Jüngern« überquerte der »Stern der Wüste«, wie man ihn nannte, schließlich den Nil, zog Richtung Rotes Meer und ließ sich am Berge Kolzim nieder, wo er als Lehrer und Vorbild einer immer größer werdenden Eremitenkolonie fastete, betete, lehrte, tröstete und heilte, weshalb er, obwohl kein Ordensgründer, als »Vater des christlichen Mönchtums« gilt.
Während der grausamen Christenverfolgung unter dem oströmischen Kaiser Maximinus Daia (305–13) ging Antonius nach Alexandria (Ägypten) und stand seinen zum Tode verurteilten Glaubensbrüdern pflegend und Trost spendend zur Seite. Erst nach dem Abebben der Verfolgungen kehrte er wieder in die Wüste zurück, wo er u. a. mit Kaiser Konstantin I. (306–37; Heiliger) einen regen Briefwechsel führte. Dieser begünstigte seit seinem Toleranzedikt von Mailand (313) das Christentum, ließ sich selbst aber erst kurz vor seinem Tod taufen.
Im Jahre 351 verließ Antonius auf Bitten seines Freundes Athanasius (Patriarch von Alexandria; um 295–373; Heiliger) nochmals die Einöde, um in Alexandria gegen die Irrlehre des Arius (um 260–336), die die Wesensgleichheit (Homousie) von Gott Vater und Gott Sohn leugnete, zu predigen. In seine Einsiedelei zurückgekehrt, starb er im Jahr 356 mit 105 Jahren, nachdem er in seinem letzten Willen, der auch eine Art Einführungsunterricht für Novizen des Mönchtums enthielt, geschrieben hatte: »Lebt, wie wenn ihr jeden Tag sterben solltet!«
Antonius’ Nachruhm beruht wesentlich auf der von Athanasius um 370 verfassten Biographie (»Antonius’ Leben«). Seine Verehrung als Heiliger begann bereits im 5. Jahrhundert, wobei man ihn im Osten mehr als Mönchsvater, im Westen mehr als Wunderheiler schätzte. Sein Grab wurde 561 gefunden, und man überführte seine Gebeine nach Alexandria. Vor den einfallenden Sarazenen brachte man sie 635 nach Konstantinopel (ab 1453 Istanbul) in Sicherheit. Um die Jahrtausendwende kam der größere Teil der Reliquien nach St. Didier de la Mothe im Bistum Vienne (Dauphiné, Südfrankreich), wo ein Edelmann namens Gaston als Dank für die Genesung seines Sohnes vom »Antoniusfeuer«, einer seuchenartigen Krankheit, den Antoniusorden (Antonianer, Antoniter) gründete, und von dort wiederum 1491 in die Pfarrkirche St. Julien in Arles, wo sie noch heute ruhen.
Der 1095 von Papst Urban II. (Seliger) approbierte Antoniusorden wurde von Papst Bonifatius VIII. (1294–1303) in einen Chorherrenorden umgewandelt. Die Antoniter widmeten sich überwiegend der Armen- und Krankenpflege. Zum Unterhalt der ordenseigenen Spitäler hatten sie das Privileg, ihre durch ein umgehängtes Glöckchen kenntlich gemachten Schweine frei herumlaufen zu lassen, und ihre Klöster waren mit dem Bild eines Schweines und einer Glocke gekennzeichnet. Daher ist der Heilige Antonius wohl auch zum Patron der Haustiere, vor allem der Schweine und Schweinehirten geworden. Im Rheinland wird er noch heute zum Unterschied vom Heiligen Antonius von Padua »Schwienetünnes« genannt. Zu den bekanntesten Antoniterklöstern des späten Mittelalters gehörte das in Isenheim bei Colmar im Elsass. Für die Kirche dieses Konvents schuf der Maler Matthias Grünewald 1512–16 seinen berühmten Isenheimer Altar, auf dem Vita und Legende des Heiligen ausführlich dargestellt sind.
In Italien wurde der Antoniustag (17. Januar) als Volksfest begangen. Die Tiere durften nicht arbeiten, so dass auch vornehme Herrschaften zu Fuß gehen mussten. In Rom wird noch heute alljährlich vom 17. bis 25. Januar vor der Antoniuskirche (Sant’Antonio) das Fest der Weihe der Haustiere gefeiert.
Der Heilige Antonius wird auch als Nothelfer angerufen, ohne zur Gruppe der Vierzehn Nothelfer zu gehören, aber er ist einer der so genannten vier Heiligen Marschälle – neben Quirinus von Neuß, der um 130 in Rom den Märtyrertod starb, Papst Cornelius (251–53) und Bischof Hubertus von Lüttich (um 655–727). Man wähnte sie – wie weltliche Hofmarschälle vor dem Thron des Fürsten – besonders nahe bei Gott, weshalb ihre Fürbitte bei Seuchen und allen persönlichen Nöten als besonders wirksam galt. Man verehrte sie – vor allem im Rheinland – hauptsächlich vom 14. bis 17. Jahrhundert, aber auch heute wieder im Kölner Raum.

Darstellung: als greiser Einsiedler, häufig im Kampf mit Dämonen, denen er in der Wüste ausgesetzt war, oder zusammen mit dem Heiligen Paulus von Theben, dem »Urvater« der Einsiedler, den er zweimal besucht und auch begraben haben soll.

Attribute: Buch, Kreuzstab in T-Form (Antoniuskreuz, ägyptisches Kreuz; bezieht sich auf seine Wanderungen mit dem Krückstock), Rosenkranz, Glocke, Schwein, Teufe

 

Quelle: Herder-Verlag

Dieser Text ist dem "Lexikon der Heiligen und Namenstage" entnommen. Albert Urban (Hg.), Herder-Verlag, Freiburg, 2010